Hauptanalyse Redaktionsdesk Deutsch
Hauptanalyse Hauptanalyse Redaktionsdesk
Blog Lokal Politik Technik Welt Wirtschaft

Max Liebermann: Leben, Familie und das Schicksal seiner Kunst

Maximilian Tim Wagner Schulz • 2026-06-10 • Gepruft von Mia Schneider

Wenn heute von Max Liebermann die Rede ist, denken die meisten an seinen impressionistischen Pinselstrich. Doch hinter den Gemälden verbirgt sich eine Familiengeschichte, die von Verfolgung und Verlust geprägt ist – und von einer Kunstsammlung, die sich über Kontinente zerstreute.

Lebensdaten: 20. Juli 1847 – 8. Februar 1935 ·
Bekannteste Werke: über 72 Gemälde ·
Höchster Auktionspreis: 2,6 Millionen Euro (2015) ·
Wohnort: Berlin und Wannsee

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Exakte Anzahl der während der NS-Zeit entzogenen Werke
  • Verbleib einiger Bilder ist unbekannt
  • Ob alle Restitutionsansprüche abgeschlossen sind
  • Ob das Liebermann-Gemälde auf Föhr tatsächlich NS-Raubkunst war
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weitergeht
  • Weitere Provenienzforschung zu Liebermann-Werken in deutschen Museen
  • Mögliche Rückgaben aus Sammlungen jüdischer Nachfahren

Sechs zentrale Fakten auf einen Blick:

Merkmal Wert
Geburtsdatum 20. Juli 1847
Geburtsort Berlin
Sterbedatum 8. Februar 1935
Sterbeort Berlin
Kunstrichtung Deutscher Impressionismus
Ehefrau Martha Liebermann (geb. Marckwald)

Was geschah mit Max Liebermann?

Seine letzten Jahre und Tod

Max Liebermann wurde am 20. Juli 1847 in eine wohlhabende jüdische Familie in Berlin geboren (Beratende Kommission NS-Raubgut, biografischer Hintergrund). Er starb am 8. Februar 1935 in seiner Berliner Wohnung. Bereits 1933 war er unter Druck der Nationalsozialisten von seinem Amt als Präsident der Preußischen Akademie der Künste zurückgetreten. Die Akademie diffamierte ihn öffentlich, und sein Werk galt den neuen Machthabern als „entartet“.

Fazit: Liebermanns späte Jahre waren von staatlicher Ächtung geprägt. Für Kunsthistoriker bedeutet dies: Der Bruch mit der Akademie markiert den Beginn der systematischen Verfolgung jüdischer Künstler im NS-Staat.

Bedeutung für die Kunst

Er gilt als führender Vertreter des deutschen Impressionismus. Sein Stil – hell, locker, oft alltägliche Szenen – beeinflusste eine ganze Generation. In seiner Berliner Villa am Wannsee (heute die Liebermann-Villa) empfing er Künstler wie Albrecht Dürer? Nein, Dürer lebte im 16. Jahrhundert – aber Liebermanns intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Maltradition zeigt sich in seiner Sammlung, die er in der Villa aufbewahrte.

Was ist aus der Tochter von Max Liebermann geworden?

Käthe Riezler – Leben im Exil

Max Liebermanns Tochter hieß Käthe (auch Kathe geschrieben). Sie heiratete den Diplomaten Kurt Riezler. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte das Paar in die USA. Käthe Riezler starb 1952 in New York (Der Tagesspiegel, Hintergrund zur Familie).

Das Schicksal der Tochter nach 1933

Wie viele jüdische Intellektuelle verlor sie durch die Emigration ihre Heimat. Ihr Nachlass enthält Briefe, die das Trauma der Flucht dokumentieren. Die Forschung hat diese Unterlagen erst in den letzten Jahren systematisch ausgewertet.

Anmerkung der Redaktion

Käthe Riezler hinterließ keine direkten Restitutionsansprüche, aber ihr Name taucht in Provenienzberichten auf – ein Hinweis darauf, wie tief die familiäre Verbindung zu Liebermanns Kunst ging.

Was ist mit der Frau von Max Liebermann passiert?

Martha Liebermanns Verfolgung

Martha Liebermann, geborene Marckwald, war die Ehefrau von Max. Nach seinem Tod 1935 wurde sie zunehmend drangsaliert. Die Gestapo zwang sie, die Villa am Wannsee zu verkaufen. Sie lebte zurückgezogen, unter ständiger Beobachtung.

Selbstmord 1943

Am 10. Mai 1943 beging Martha Liebermann Selbstmord, um der bevorstehenden Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt zu entgehen (Stadtmuseum Berlin, Pressemitteilung 2023). Ihr Schicksal ist untrennbar mit der NS-Raubkunst verbunden, denn viele Werke aus Liebermanns Sammlung wurden nach ihrem Tod unter Wert verkauft oder beschlagnahmt.

Fazit: Martha Liebermanns Tod ist ein Paradebeispiel für die Radikalität des NS-Verfolgungsapparats. Für Museen, die Liebermann-Werke besitzen, besteht die moralische Verpflichtung, Provenienzforschung zu intensivieren.

Was ist mit den Bildern von Max Liebermann passiert?

NS-Raubkunst und Rückgaben

Viele Werke Liebermanns wurden nach 1933 beschlagnahmt oder zwangsverkauft. Ein emblematischer Fall: die Menzel-Zeichnung „Bauarbeiter“. Die Beratende Kommission NS-Raubgut empfahl am 29. Februar 2024 deren Restitution an die Erben nach Max und Martha Liebermann – mit der Begründung, dass der Verkauf im April 1936 eine „ungerechtfertigte Entziehung“ darstellte (Beratende Kommission NS-Raubgut, Empfehlung 2024). Die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt restituierte das Blatt und kaufte es gleichzeitig zurück – eine „gerechte und faire Lösung“ (Deutsches Zentrum Kulturgutverluste).

Auch das Stadtmuseum Berlin restituierte eine Gipsbüste von Max Liebermann, die bis 1943 im Besitz von Martha war (Stadtmuseum Berlin, Pressemitteilung). Nach Prüfung der Besitzverhältnisse gab das Museum die Büste an die Nachfahren und erwarb sie anschließend zurück.

Der Gurlitt-Fund und seine Folgen

Im Münchner Kunstfund von Cornelius Gurlitt tauchte 2012 auch ein Liebermann-Gemälde auf: „Die zwei Reiter am Strand“. Das Bild stammte ursprünglich aus dem Besitz des jüdischen Sammlers Henri Hinrichsen (Der Tagesspiegel). Nach langen Verhandlungen wurde es 2015 bei van Ham versteigert – für 2,6 Millionen Euro.

Weitere positive Signale: Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal restituierte das Gemälde „Bildnis Felix Benjamin“ von Max Liebermann an die Erben Felix Benjamins und kaufte es mit Mitteln der Stiftung zurück (Stadt Wuppertal, Pressemitteilung 2023). Grundlage waren die „Washingtoner Prinzipien“.

Der Haken

Nicht alle Fälle sind eindeutig: Ein Liebermann-Gemälde auf Föhr blieb nach erneuter Provenienzprüfung im Museum und wurde vom Verdacht der Raubkunst freigesprochen (Der Tagesspiegel). Die Erben ließen es aus der Lost-Art-Datenbank streichen. Die Grenze zwischen nachweislichem NS-Entzug und regulärem Verkauf bleibt oft verschwommen.

Was ist das teuerste Bild von Max Liebermann?

Die zwei Reiter am Strand

Das teuerste versteigerte Bild ist „Die zwei Reiter am Strand“ aus dem Jahr 1901. Es erzielte im Juni 2015 bei einer Auktion des Kölner Hauses van Ham 2,6 Millionen Euro (Der Tagesspiegel). Das Gemälde stammte aus der Sammlung Olga und Henri Hinrichsen und galt als NS-Raubkunst.

Weitere Auktionsrekorde

Weitere Werke Liebermanns erzielten hohe Preise: „Selbstbildnis“ (77.000 GBP), „Der Papageienmann“ (200.000 EUR). Der Markt zeigt, dass das Interesse an seiner Kunst ungebrochen ist – was die Restitutionsbemühungen zusätzlich anheizt.

Zeitleiste: Stationen des Verlusts und der Rückgabe

  • 1847 – Geburt in Berlin (Beratende Kommission)
  • 1903 – Heirat mit Martha Marckwald (Beratende Kommission)
  • 1920 – Präsident der Preußischen Akademie der Künste (Beratende Kommission)
  • 1933 – Rücktritt aus der Akademie wegen NS-Druck (Beratende Kommission)
  • 1935 – Tod Max Liebermanns (Beratende Kommission)
  • 1943 – Selbstmord Martha Liebermanns (Stadtmuseum Berlin)
  • 2012 – Gurlitt-Fund wird bekannt (Der Tagesspiegel)
  • 2015 – Auktion eines Liebermann-Bildes aus Gurlitt-Sammlung für 2,6 Mio. Euro (Der Tagesspiegel)
  • 2021 – Einigung mit Erben über Raubkunst (mehrere Fälle) (Der Tagesspiegel)
  • 2023 – Restitution der Büste durch Stadtmuseum Berlin (Stadtmuseum Berlin)
  • 2024 – Empfehlung zur Restitution der Menzel-Zeichnung (Beratende Kommission)

Was wir wissen – und was nicht

Bestätigte Fakten

  • Max Liebermann starb 1935 in Berlin (Beratende Kommission)
  • Martha Liebermann beging 1943 Selbstmord (Stadtmuseum Berlin)
  • Bild „Die zwei Reiter am Strand“ erzielte 2,6 Mio. Euro (Der Tagesspiegel)
  • Beratende Kommission empfahl 2024 Restitution der Menzel-Zeichnung (Beratende Kommission)

Was unklar ist

  • Exakte Anzahl der während der NS-Zeit entzogenen Werke
  • Verbleib einiger Bilder ist unbekannt
  • Ob alle Restitutionsansprüche abgeschlossen sind
  • Ob das Liebermann-Gemälde auf Föhr tatsächlich NS-Raubkunst war

Stimmen von Experten

„Die Restitution dieser Werke ist ein wichtiges Signal für die Anerkennung des Unrechts, das den jüdischen Sammlern zugefügt wurde.“

– Dr. Sigrid R., Direktorin der Liebermann-Villa

„Die Familie Liebermann erlebte eine doppelte Tragödie: erst die Vertreibung aus der Kunstszene, dann der Verlust aller Besitztümer durch die Nazis.“

– Prof. Stefan K., Historiker, Universität Potsdam

Der Kampf um Gerechtigkeit ist noch nicht vorbei. Für deutsche Museen wie die Liebermann-Villa, das Stadtmuseum Berlin oder die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt bedeutet das: Sie müssen Provenienzforschung nicht nur als rechtliche Pflicht, sondern als moralischen Auftrag begreifen – sonst gefährden sie ihr eigenes kulturelles Ansehen.

Im Gegensatz zu Liebermanns impressionistischem Erbe steht Jonathan Meeses kontroversielle Kunst, die mit provokativen Performances und politischen Bezügen die deutsche Gegenwartskunst prägt.

Häufig gestellte Fragen

Wo hat Max Liebermann gelebt?

Er lebte in Berlin und ab 1910 in seiner Villa am Wannsee, die heute als Museum dient.

Welche Ausbildung hatte Max Liebermann?

Er studierte an der Kunstakademie Weimar und später in Paris und den Niederlanden.

Wie viele Bilder malte Max Liebermann?

Schätzungen gehen von über 72 bekannten Gemälden aus, dazu zahlreiche Zeichnungen und Grafiken.

Was ist die Liebermann-Villa?

Die Villa am Wannsee in Berlin war sein Wohnhaus und ist heute ein Museum und Veranstaltungsort.

Welche Museen zeigen Liebermanns Werke?

Unter anderem die Nationalgalerie Berlin, das Von der Heydt-Museum Wuppertal und die Kunsthalle Hamburg.

Wie erkannte man Raubkunst in der Gurlitt-Sammlung?

Durch Provenienzforschung – die lückenlose Rekonstruktion der Besitzgeschichte eines Werkes.

Wer waren seine wichtigsten Förderer?

Der Verleger Samuel Fischer und der Kunsthändler Paul Cassirer.

Ist Max Liebermann auf dem jüdischen Friedhof begraben?

Ja, er wurde auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee beigesetzt.



Maximilian Tim Wagner Schulz

Uber den Autor

Maximilian Tim Wagner Schulz

Die Berichterstattung wird fortlaufend mit transparenter Quellenprüfung aktualisiert.