Man kennt ihn als den Mann mit den buschigen Augenbrauen und dem weltberühmten Bruderkuss. Doch Erich Honeckers Leben ist eine deutsche Biographie voller Extreme: vom Dachdeckerlehrling im Saarland zum mächtigsten Staatschef der DDR, vom Bau der Berliner Mauer bis zum erzwungenen Rücktritt und dem einsamen Tod im chilenischen Exil.

Geburtsdatum: 25. August 1912 ·
Todesdatum: 29. Mai 1994 ·
Amtszeit als Staatsratsvorsitzender: 1976–1989 ·
Ehepartnerin: Margot Honecker ·
Todesursache: Leberkrebs

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Genaues Vermögen und Umfang persönlicher Privilegien
  • Exakte Umstände der Flucht nach Chile
  • Umfang seiner Kenntnisse über Stasi-Aktivitäten
3Zeitleisten-Signal
4Wie es weiterging
  • Machtübergabe an Egon Krenz (Wikipedia (de))
  • Moskauer Exil und später Ausreise nach Chile (Wikipedia (de))
  • Prozess in Berlin ab November 1992 (Wende Museum)
  • Verfahren eingestellt Januar 1993 wegen Krankheit (Wende Museum)

Sechs zentrale Fakten über Honecker auf einen Blick – von der Geburt bis zum Fall.

Merkmal Wert
Vollständiger Name Erich Ernst Paul Honecker
Partei KPD, SED
Amtszeit als SED-Chef 1971–1989 (LeMO / Haus der Geschichte)
Vorgänger Walter Ulbricht
Nachfolger Egon Krenz
Bekannt für Mauerbau, Bruderkuss, Rücktritt 1989
Was dieser Überblick zeigt

Honecker vereinte vier Jahrzehnte lang die beiden höchsten Ämter von Partei und Staat in einer Person – eine Machtfülle, die in der DDR-Geschichte einmalig blieb. Sein Sturz 1989 vollzog sich binnen weniger Tage.

Was hat Erich Honecker getan?

Aufstieg zum Staatsratsvorsitzenden

  • Erich Honecker trat 1929 der Kommunistischen Partei bei, als junger Dachdecker aus dem Saarland (Encyclopaedia Britannica). Nach der NS-Haft und Kriegsende machte er in der sowjetisch besetzten Zone schnell Karriere. 1958 wurde er Sekretär für Sicherheit des ZK der SED.
  • Am 3. Mai 1971 wählte ihn das Zentralkomitee zum Ersten Sekretär – er löste Walter Ulbricht ab (LeMO / Haus der Geschichte). 1976 übernahm er zusätzlich den Vorsitz des Staatsrats und vereinte damit die Spitze von Partei und Staat.
Fazit: Honeckers Karriere folgte dem klassischen Muster des kommunistischen Funktionärs: Parteieintritt in der Jugend, Aufstieg durch das Apparatsystem, schließlich die Alleinherrschaft über eine Diktatur.

Der Mauerbau und die deutsch-deutsche Teilung

  • Als Sekretär für Sicherheit war Honecker maßgeblich an der Planung und Durchführung des Mauerbaus am 13. August 1961 beteiligt (LeMO / Haus der Geschichte). Die Abriegelung West-Berlins war aus Sicht der DDR-Führung ein notwendiger Schritt, um die Fluchtbewegung zu stoppen.
  • Unter seiner Führung wurde die DDR weiterhin als Überwachungsstaat ausgebaut – mit einem dichten Netz aus Stasi-Informanten und einer rigiden Ausreiseverweigerung (LeMO / Haus der Geschichte). Die Politik der Abgrenzung zur Bundesrepublik blieb bis zu seinem Sturz das oberste Prinzip.

Wirtschaftspolitik und Lebensstandard

  • Honecker versprach der Bevölkerung eine „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik” – tatsächlich stieg der Lebensstandard in den 1970er Jahren durch Konsumkredite und Subventionen aus der Bundesrepublik (DDR Museum). Doch die Wirtschaft blieb marode, und die Abhängigkeit von westlichen Krediten wuchs.
Fazit: Honecker kaufte sich mit westdeutschen Milliarden die Loyalität seiner Bevölkerung – ein riskantes Spiel, das mit dem Zusammenbruch der DDR endete.

Der Fall der Mauer und Honeckers Sturz

  • Die Fluchtwelle im Sommer 1989 setzte die DDR unter massiven Druck. Ungarn öffnete seine Grenze, Tausende DDR-Bürger strömten in bundesdeutsche Botschaften (Wikipedia (de)). Die Montagsdemonstrationen in Leipzig forderten lautstark Demokratie und Reisefreiheit.
  • Am 17. Oktober 1989 entzog das SED-Politbüro Honecker das Vertrauen; sein Rücktritt trat am Folgetag in Kraft (Wikipedia (de)). Egon Krenz übernahm die Führung – doch die Uhr der DDR war bereits abgelaufen.
Fazit: Honeckers Sturz vollzog sich nicht durch Volksaufstand, sondern durch einen internen Machtwechsel in der SED-Spitze. Die Straße hatte den Druck erzeugt, die Partei zog die Konsequenz.

Der Bruderkuss mit Breschnew

  • Das Foto des Kusses zwischen Erich Honecker und Leonid Breschnew beim Staatsbesuch 1979 ging um die Welt. Es symbolisierte die enge Bindung der DDR an die Sowjetunion und wurde zur ikonischen Aufnahme des Kalten Krieges. Der Kuss war Teil des sozialistischen Bruderzeremoniells und stand für die politische Loyalität Honeckers gegenüber Moskau.
Das Paradox

Der Bruderkuss machte Honecker international bekannt – doch innenpolitisch war er das Gesicht einer Diktatur, die ihre eigene Bevölkerung einsperrte. Das Bild hält die Spannung zwischen Ost-Propaganda und deutscher Realität fest.

Welche Krankheit hatte Honecker?

Diagnose Leberkrebs

  • In den späten 1980er Jahren verschlechterte sich Honeckers Gesundheitszustand dramatisch. Ärzte diagnostizierten einen bösartigen Lebertumor (Wende Museum). Die Krankheit war bereits fortgeschritten, als sie entdeckt wurde.

Aufenthalt in Moskau und Chile

  • Nach seinem Sturz 1989 reiste Honecker zunächst nach Moskau, wo er in der sowjetischen Botschaft unterkam (Encyclopaedia Britannica). 1992 flohen er und seine Frau Margot nach Chile, wo ihre Tochter lebte. Die chilenische Regierung verweigerte jedoch eine Auslieferung.

Todesursache

  • Honecker starb am 29. Mai 1994 in Santiago de Chile an den Folgen seines Leberkrebses (Encyclopaedia Britannica). Die medizinischen Unterlagen zu seiner Erkrankung sind Teil der Sammlung des Wende Museums (Wende Museum).

Grab in Santiago de Chile

  • Seine Asche wurde auf dem Friedhof Parque del Recuerdo in Santiago de Chile beigesetzt. Das Grab ist bis heute eine Anlaufstelle für historisch Interessierte und ehemalige Genossen.
Fazit: Honecker entzog sich der deutschen Justiz durch seine schwere Krankheit – der Prozess wurde im Januar 1993 eingestellt (Wende Museum). Er starb als freier Mann in Chile, nicht als verurteilter Verbrecher.
Was dieser Fall bedeutet

Der Abbruch des Prozesses gegen Honecker blieb für viele Opfer der DDR-Justiz eine tiefe Wunde. Die Frage, ob ein sterbender Diktator vor Gericht gehört, ließ das Land juristisch und moralisch uneins zurück.

Wie viele Frauen hatte Erich Honecker?

Erste Ehe mit Edith Baumann

  • Honecker heiratete 1947 Edith Baumann, eine SED-Funktionärin. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Erika (geboren 1950) und Susanne (geboren 1952). Die Ehe wurde 1953 geschieden.

Zweite Ehe mit Margot Feist (Margot Honecker)

  • 1953 heiratete Honecker Margot Feist, die spätere Ministerin für Volksbildung der DDR. Sie war eine der einflussreichsten Frauen im SED-Staat und blieb bis zu seinem Tod an seiner Seite (Encyclopaedia Britannica). Margot Honecker starb 2016 in Chile.

Kinder: Erika und Susanne

  • Honecker hatte insgesamt zwei Töchter. Die Familie lebte abgeschirmt in der Siedlung Wandlitz, dem abgeriegelten Wohnkomplex der DDR-Führungselite.

Jugendjahre im Saarland

  • Erich Honecker wuchs in einfachen Verhältnissen in Neunkirchen auf. Sein Vater war Bergmann, die Familie sozialdemokratisch geprägt. Schon als Jugendlicher engagierte er sich in kommunistischen Jugendgruppen (Marxists Internet Archive).
Fazit: Honecker führte ein bürgerlich geordnetes Familienleben, das zum Image des „staatsmännischen” SED-Chefs gehörte. Seine zweite Frau Margot war politisch eigenständig und prägte die DDR-Bildungspolitik maßgeblich.

Warum trat Erich Honecker zurück?

Massenflucht und Reformdruck

  • Im Sommer 1989 flohen Zehntausende DDR-Bürger über Ungarn und die bundesdeutschen Botschaften in den Westen. Honecker lehnte Reformen kategorisch ab und setzte auf Abgrenzung und Repression (Encyclopaedia Britannica). Der Druck aus der Bevölkerung wuchs täglich.

Montagsdemonstrationen in Leipzig

  • Ab September 1989 versammelten sich jeden Montag tausende Menschen in Leipzig und später in anderen Städten. Sie forderten Reisefreiheit, demokratische Wahlen und den Rücktritt der Regierung. Die Parole „Wir sind das Volk” wurde zum Symbol der Friedlichen Revolution.

Interner Machtverlust in der SED

  • Die sowjetische Führung unter Michail Gorbatschow drängte auf Reformen. Honecker weigerte sich, den Kurs der Perestroika zu übernehmen – das isolierte ihn auch innerhalb der SED (Wikipedia (de)). Am 17. Oktober 1989 beschloss das Politbüro seinen Rücktritt.

Rücktritt am 18. Oktober 1989

  • Honecker trat am 18. Oktober 1989 von allen Ämtern zurück (Wikipedia (de)). Sein Nachfolger Egon Krenz versuchte vergeblich, die DDR durch Zugeständnisse zu retten – am 9. November 1989 fiel die Mauer.
Fazit: Honecker scheiterte an seiner eigenen Unbeweglichkeit. Er wollte den Sozialismus bewahren, wie er ihn kannte – und beschleunigte so dessen Untergang.

Wie reich war Honecker?

Gehalt und Nebeneinkünfte

  • Als Staatsratsvorsitzender und SED-Chef bezog Honecker ein Gehalt, das weit über dem Durchschnitt der DDR-Bevölkerung lag. Hinzu kamen Aufwandsentschädigungen, Naturalien und Sonderzuteilungen aus dem Parteivermögen.

Luxusresidenzen und Jagdschlösser

  • Die Familie Honecker bewohnte ein komfortables Haus in der abgeschirmten Siedlung Wandlitz nördlich von Berlin. Dazu kamen ein Jagdschloss in der Schorfheide und mehrere Ferienobjekte – alles finanziert aus Staatsmitteln (DDR Museum). Der Lebensstil der Führungselite stand in scharfem Kontrast zur Mangelwirtschaft der DDR.

Ermittlungen nach der Wende

  • Nach der Wiedervereinigung leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Honecker wegen Untreue und Veruntreuung von Staatsvermögen ein. Die genauen Summen ließen sich nie abschließend klären – auch weil viele Unterlagen verschwanden oder vernichtet wurden.
Fazit: Honecker führte ein Leben in abgeschottetem Luxus, während die DDR-Bevölkerung um Konsumgüter wie Bananen und Autos Schlange stand. Die genauen Dimensionen seines Vermögens bleiben bis heute im Dunkeln.

Zeitleiste: Die wichtigsten Stationen

Datum oder Zeitraum Ereignis
25. August 1912 Geburt in Neunkirchen (Saar) (Encyclopaedia Britannica)
1945 Rückkehr nach Deutschland nach Kriegsende
1958 Sekretär für Sicherheit des ZK der SED
13. August 1961 Maßgebliche Beteiligung am Bau der Berliner Mauer (LeMO / Haus der Geschichte)
3. Mai 1971 Wahl zum Ersten Sekretär des ZK der SED (LeMO / Haus der Geschichte)
1976 Vorsitzender des Staatsrats der DDR (LeMO / Haus der Geschichte)
18. Oktober 1989 Rücktritt von allen Ämtern (Wikipedia (de))
29. Mai 1994 Tod in Santiago de Chile (Encyclopaedia Britannica)

Gesichertes und Unklares

Bestätigte Fakten

  • Geburts- und Sterbedaten (Encyclopaedia Britannica)
  • Politische Ämter und Daten (LeMO / Haus der Geschichte)
  • Eheschließungen und Kinder
  • Rücktritt 1989 (Wikipedia (de))
  • Todesursache Leberkrebs (Wende Museum)

Was unklar bleibt

  • Genaues Vermögen und Umfang persönlicher Privilegien
  • Exakte Umstände der Flucht nach Chile
  • Umfang seiner Kenntnisse über Stasi-Aktivitäten

Stimmen über Honecker

„Der Sozialismus wird auf seinem Weg niemand aufhalten.”

Erich Honecker, Rede zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989

„Honecker war ein Mann der Macht, aber auch ein Gefangener seiner eigenen Ideologie. Er hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt und die DDR in die Katastrophe geführt.”

Historiker, MDR-Dokumentation über die letzten Jahre Honeckers

„Sein Erbe ist ein gespaltenes Land, das bis heute mit der Vergangenheit ringt.”

Analyse des DDR-Museums zum Wirken Honeckers (DDR Museum)

Erich Honecker war der letzte Alleinherrscher der DDR – ein Funktionär, der vom Dachdecker zum Staatschef aufstieg und im chilenischen Exil starb. Sein Name steht für Mauerbau, Stasi-Überwachung und die verpasste Chance auf Reformen. Die Bilanz seines Wirkens bleibt widersprüchlich: wirtschaftlicher Stillstand, politische Repression, aber auch eine gewisse soziale Stabilität, die viele DDR-Bürger bis heute ambivalent bewerten. Für die historische Forschung und die deutsche Erinnerungskultur ist Honecker eine zentrale Figur geblieben – als Symbol einer vergangenen Diktatur und als Mahnung, wohin Macht ohne Kontrolle führen kann.

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Wer mehr über die Hintergründe seines Rücktritts und seine letzten Lebensjahre erfahren möchte, findet in der detaillierte Biografie Erich Honeckers eine umfassende Darstellung.

Häufig gestellte Fragen

Wer war der einzige Präsident der DDR?

Die DDR hatte keinen Präsidenten im westlichen Sinne. Das Staatsoberhaupt war der Vorsitzende des Staatsrats. Dieses Amt bekleidete Erich Honecker von 1976 bis 1989. Vor ihm hatte Walter Ulbricht das Amt inne, nach ihm Egon Krenz.

Was war das Schlimme an der DDR?

Für viele Bürger war die allgegenwärtige Überwachung durch die Stasi, die fehlende Meinungsfreiheit, das eingeschränkte Reise- und Ausreiseverbot und die Mangelwirtschaft das Belastendste. Die Staatssicherheit bespitzelte Millionen Menschen, Oppositionelle wurden verfolgt und inhaftiert.

Wurde Honecker nach der Wende angeklagt?

Ja. Ab November 1992 stand Honecker in Berlin wegen Tötungsdelikten beziehungsweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zusammenhang mit dem Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze vor Gericht (Wende Museum). Das Verfahren wurde im Januar 1993 wegen seiner schweren Krebserkrankung eingestellt (DDR Museum).

Wie verbrachte Honecker seine letzten Lebensjahre in Chile?

Nach seiner Ausreise 1992 lebte Honecker mit seiner Frau Margot bei seiner Tochter Susanne in Santiago de Chile. Die Familie lebte zurückgezogen, Honecker war pflegebedürftig und wurde medizinisch versorgt. Er starb am 29. Mai 1994 in seinem Bett.

Welche Beziehung hatte Honecker zu Breschnew?

Honecker und der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew verband eine enge politische Freundschaft. Der berühmte Bruderkuss beim Staatsbesuch 1979 symbolisierte die enge Bindung der DDR an die Sowjetunion. Breschnew unterstützte Honeckers harten Kurs gegen Reformen – anders als sein Nachfolger Gorbatschow.